Mittwoch, 14. Dezember 2016

Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?

Preis: 14,99€ [D, Taschenbuch] & 12,99€ [E-Book]
Seitenanzahl: 352
Meine Wertung: 3/5
erschienen am: November 2016
ISBN:  978-3462049152
 

Kurzbeschreibung

Da ihre Seniorenresidenz “Abendhain” vom Renovierungschaos überrollt wird, gründen die drei uralten Freundinnen Siiri, Anna-Liisa und Irma kurzerhand eine WG. Mit von der Partie sind Anna-Liisas Ehemann der “Botschafter” und die schwermütige Margit. Doch das WG-Leben gestaltet sich anstrengender als erwartet und es fällt den Freundinnen nicht immer leicht, die Eigenheiten und Marotten der anderen zu ertragen.

 

Cover


Das Cover besteht aus einer wunderschön gestalteten Collage von Ranken, Flügeln und anderen zauberhaften Motiven, in deren Zentrum in geschwungener Schrift der Titel prangt. Die Farbauswahl ist sehr harmonisch, insbesondere die verwendeten Blautöne, die sowohl im Titel als auch in den abgebildeten Vergissmeinnicht zu finden sind finde ich sehr ansprechend. Das Cover wirkt zugleich altmodisch und modern, was ich sehr gelungen finde.


Schreibstil


Minna Lindgren schreibt sehr ausführlich, beschreibt detailliert den Alltag der alten Damen und die damit verbundenen Komplikationen. Vor allem zu Beginn schildert sie liebevoll die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonistin Siiri. Teilweise erschienen Sätze mir “merkwürdig” und unpassend; Da ich das Buch auf Deutsch gelesen habe, kann das natürlich an der Übersetzung liegen. Die finnischen Eigennamen sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber meiner Ansicht nach sorgfältig gewählt, so dass auch ein internationales Publikum damit zurecht kommt. Die Erzählung ist nicht durchgängig, oft fehlen Tage oder Wochen, die ohne Erklärung ausgelassen wurden. Hin und wieder werden allerdings auch Kapitel mit einer Beschreibung des Tages eingeleitet, später stellt sich jedoch heraus, dass es noch der gleiche Zeitpunkt ist wie im vorhergehenden Kapitel


Meinung


Döden, döden, döden

“Whisky für drei alte Damen” entspricht leider gar nicht meinem Geschmack. Dem Klappentext nach zu urteilen soll der Roman humorvoll sein, meinen Humor trifft er allerdings nichts. Langatmig und schrecklich deprimierend wird immer wieder beschrieben, wie die alten Leute auf sich selbst gestellt sind und mehr oder weniger hilflos durch ihren Alltag rudern. Dabei kommt man an Themen wie “Sterbehilfe”, “Misshandlung durch Pflegekräfte” oder “würdevolles Altern” nicht vorbei - meiner Meinung nach sehr wichtige Themen, über die man sprechen sollte! Aber ich möchte sowas bitte nicht in einem Roman untergejubelt bekommen, der so tut als wäre er lustig. Die im Buch erwähnten “Missstände” und Probleme halte ich für einigermaßen realitätsnah und das finde ich gar nicht witzig sondern einfach nur traurig.

Ich habe den Vorgängerroman “Rotwein für drei alte Damen” nicht gelesen und hatte daher anfangs Schwierigkeiten die Protagonisten auseinanderzuhalten. Es werden mehr als drei alte Damen vorgestellt und für mich war bis zum Schluss nicht klar, warum ausgerechnet drei der Damen nun die Hauptpersonen sind und die vierte sowie der alte Herr nichts im Titel verloren haben. Obwohl ich den Vorgänger nicht kannte, war mir die “Einleitung”  aber trotzdem zu lang und spannungsfrei - es passiert schlicht gar nichts Aufregendes. Leider trifft das auch auf den Rest des Romans zu.

Es wird zwar hin und wieder das mysteriöse Verschwinden und Wiederauftauchen eines Gegenstandes erwähnt, sowie fremde Menschen, die sich in der Nähe der Rentner-WG herumtreiben oder sich sogar Zutritt zur Wohnung verschaffen wollen, die alten Damen (und der Herr) interessieren sich aber kaum dafür und die Sache wird nicht weiter verfolgt. 
Man könnte vermuten das mangelnde Interesse der Senioren an solchen Geschehnissen sei auf Senilität und Verwirrtheit zurückzuführen. Andererseits werden sie aber als “aufgeweckt” und “agil” beschrieben, lösen Sudokus, schreiben Beschwerdebriefe und diskutieren über finnische Grammatik... 
Natürlich sind alte Menschen (wie junge übrigens auch) nicht jeden Tag gleich “fit”, aber dass die Protagonisten bei bestimmten Themen plötzlich jeglichen gesunden Menschenverstand verlieren erscheint mir einfach unglaubwürdig. 
Dass eine der Damen immer wieder ohne jeglichen Zusammenhang “Döden, döden döden” in den Raum wirft und eine andere gelegentlich einen Hahn imitiert, verbessert meinen Eindruck nicht gerade. “Döden” ist übrigens laut google-Übersetzer  Schwedisch (Ja, Schwedisch, nicht Finnisch) für “Tod”. Was daran witzig sein soll und warum ausgerechnet dieses Wort in Schwedisch da stehen muss und nicht übersetzt wird ist mir unverständlich.
Um Seite 280 herum habe ich aufgehört zu lesen, da der Roman mich nur noch frustriert und gelangweilt hat.

Vergebene Sterne setzen sich wie folgt zusammen:
Ein Stern für mein Versäumnis, den Vorgänger zu lesen, der mich vielleicht auf Band 2 vorbereitet hätte.
Ein Stern für die letzten (nicht gelesenen) ca 70 Seiten, die vielleicht doch noch interessant gewesen wären.
Und ein Stern für die Weltanschauung der Autorin, die ich glaube zwischen den Zeilen zu lesen und die ich wirklich sympathisch finde. Leider ist mir nicht klar, in welchem Umfang die geschilderten sozialen Missstände der  Fantasie der Autorin entspringen und was genau auf gewissenhafter Recherche beruht. Ich kann dem Roman also nicht einmal einen gewissen Informationsgehalt abgewinnen.
Immerhin hat das Buch nur um die 350 Seiten, Schnellleser mit Interesse an der Thematik kommen also möglicherweise auf ihre Kosten.

 

Fazit

Eine dahin plätschernde Erzählung, die nicht zum Punkt kommt. Nicht mein Geschmack.

 

3 von 5 Sternen 

(Rezension verfasst von Monja Stock)  


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