Samstag, 13. Januar 2018

Der Totengräbersohn gelesen von Enrico Frehse



Preis: 13,90 € [Taschenbuch] 3,99€ [D, E-Book]
Seitenanzahl: 395
Meine Wertung: 4/5
Verlag: Selfpublisher
erschienen am: März 2017
ISBN: 1544652658

Kurzbeschreibung

Das geheimnisvolle Amulett.

Im mittelalterlichen Dorf Haufen lebt der 18-jährige Farin. Der Junge ist ein Außenseiter, denn als Sohn des Totengräbers wird er von den anderen Dorfbewohnern geächtet und geprügelt. 
Dennoch hat er keine andere Wahl, als den Beruf des Vaters zu übernehmen, der zunehmend dem Alkohol verfällt. 
Die Dinge ändern sich für Farin schlagartig, als die Dorfhexe stirbt und er die Giftmischerin für die Beerdigung vorbereitet. Denn die Hexe trägt ein geheimnisvolles Amulett um den Hals, und Farin kann nicht widerstehen, das Schmuckstück anzulegen ...

Sein Geheimnis behält er für sich - es würde ohnehin niemand glauben.


Cover

Das Cover ist im Stil eines alten Buches gehalten und hat neben dem Titel als Scherenschnitt noch eine Schaufel und zwei Raben aufgebracht.
Die Idee ist gut und der Hintergrund stilistisch zum Thema sehr passend – ich denke jedoch, man hätte mehr herausholen können: Das Emblem echter wirken lassen, die Schrift des Autorennamen dem Stil mehr anpassen, das Flair des Buches mehr fassen.
Man soll ein Buch nicht – auch wenn es oft gemacht wird beim Kauf – nach dem Cover beurteilen und reinzuschauen lohnt sich hier definitiv!

 

Schreibstil


Der Autor Sam Feuerbach hat bereits mehrere Sagas geschrieben und man merkt seine Erfahrung damit zunächst nicht – möchte man meinen.
Zuerst stolperte ich über seltsame Wortwiederholungen, die meinen Lesefluss störten. Doch schon bald bemerkte ich, dass dies pure Absicht war.

Die Protagonisten sind einfache Menschen aus schlechten Lebensverhältnissen. Bildung spielt keine große Rolle in einem Leben, welches trist, blutig und vom Kampf um die nächste Mahlzeit gezeichnet ist. Zu der bewusst simplen, beinahe hölzernen Wortwahl gesellen sich herrliche Wortspiele, die den Sinn/Unsinn von Satzbauten bewusst nutzen, um zu überraschen.
Und nur, weil jemand von einfacher Bildung ist, heißt das nicht, dass er nicht clever und sympathisch sein kann!
Als sich dann noch kurz andere Sichtweisen und Charaktere, dessen Leben andere Bahnen nahm, dazugesellen und deren Wortwahl bedeutend anders ausfällt, wird klar, dass der Autor es meisterhaft versteht diese Rollen zur Gänze zu beleben.


Meinung


Ich bin einige Zeit um diesen Roman herumgeschlichen, obwohl Freunde es mir immer wieder empfohlen haben. Ich weiß nicht, was mich abgehalten hat – vielleicht doch das Cover oder der recht wenig mitreißende Klappentext. Da ich die anderen Romane des Autors nicht kenne und wenig auf „Bestseller“-Status geben (den auch dieser Roman derzeit hat) ließ ich die Finger davon. Als es mir schließlich geschenkt wurde, gab ich dem Buch eine Chance und wurde sehr positiv überrascht!

Wir schlüpfen zunächst in die Haut des Totengräbersohnes Farim. Er wäscht eine Leiche und bereitet sie auf das Begräbnis vor. Authentisch wird uns vermittelt, wie er dabei vorgeht. Keine schöne Prozedur und im weiteren Geschichtsverlauf merkt man schnell, dass dieser Beruf nicht besonders geachtet ist. Allgemein hat er es sehr schwer, denn wer möchte mit einem ungebildeten Menschen verkehren, der Leichen anfässt?
Doch die Hinterlassenschaften der alten Gerlunda – verschrien als Hexenweib – verändern sein Leben schlagartig. Ein Dämon schlüpft in seinen Geist und hat nichts Besseres vor, als ihn in den ungünstigsten Situationen auch noch zu verhöhnen oder zu bitten doch endlich zu sterben, wenigstens einmal... ist doch gar nichts weiter dabei...
Ab und zu wechselt die Perspektive zu dem Waisenmädchen Aross, welches in der Hauptstadt lebt und beinahe ein noch schrecklicheres Dasein fristet als Farim. Doch sie weigert sich aufzugeben und ist ein widerborstiges, kleines Ding. Kurz bevor man anfängt ihren – durchaus verständlichen - Zynismus nervig zu finden, zeigt sie uns eine gerechte, weiche Seite. Auch sie wird plötzlich von einer seltsamen Übernatürlichkeit berührt und dem Leser wird klar, dass sie noch eine wichtige Rolle zu spielen hat.
Zwischendrin spielt noch der Erste Ritter Vigo eine Rolle und zunächst versteht man nicht, was der denn mit unseren beiden armen Protagonisten zu tun hat. Wenn man um die Ecke mitdenkt, fällt es einem später jedoch wie Schuppen von den Augen und versteht die zeitlichen Einordnungen und Hergang der Geschehnisse besser.

Mit der Zeit hatte ich starkes Mitgefühl mit Farim und ärgerte mich über die anderen Menschen. Ich wollte einfach nur, dass dieser ehrliche, herzensgute Kerl einmal Glück in seinem Leben hat und fröhlich lächeln kann – und ich bin wirklich kein leicht weichzuklopfender Typ. Versteht mich nicht falsch: Der Autor schafft uns dies zu vermitteln, ohne ihn wie einen melancholischen Trauerkloß darzustellen. Eine Gratwanderung, die mich wirklich beeindruckt hat.

Obwohl man zuerst ein wenig Mühe mit der Sprache hat, taucht man bald tief in eine mittelalterliche Welt ein, die keinesfalls so romantisiert wie viele andere Fantasywelten ist. Die Charaktere sind facettenreich und denken in nachvollziehbaren Weisen. Der Spannungsbogen steigt stetig an und hält sich bis zum Ende ereignisreich.
Als man schließlich ganz gefangen ist und endlich wissen will, was Farim, Aross und der Dämon denn nun erwartet, ist das Buch plötzlich zu ende und man stürzt hysterisch zum PC um den Folgeband zu bestellen... ich warte!! *ungeduldig auf dem Stuhl hin und her rutscht*

Fazit

Der Roman „Totengräbersohn“ von Sam Feuerbach ist düster, authentisch, jedoch trotzdem witzig und unterhaltsam. Den Einstieg in die überaus passende Sprachwahl hätte man eventuell weicher gestalten können, denn es ist möglich, dass es potentielle Leser abschreckt.
Aber es ist definitiv eine klare Leseempfehlung für Liebhaber des düsteren nicht überbetont magischen Fantasygenres.

4 von 5 Sternen


  
(Rezension verfasst von Enrico Frehse) 

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